Die Gründungsjahre

Die Gründungsjahre

„Joseph Gerold, kais. kön. Reichshof- und Universitäts-Buchdrucker, hat die Ehre ein verehrungswürdiges Publicum zu benachrichtigen, daß er von dem Herrn Leopold Kaliwoda, kais. königl. Reichshof- und Universitäts-Buchdruckerey, seine wohl bekannte, und allzeit berühmte Buchdruckerey, und mit derselben zugleich dessen ansehnlichen Bücherverlag übernommen habe. Sowohl die Buchdruckerey, als das Bücherverlagsgewölb bleiben wie vorhin auf dem Dominikanerplatze nächst der Kirche Nro. 724. Durch seinen Eifer und Fleiß schmeichelt er sich den ferneren Zuspruch eines geneigten Publicums zu verdienen.“

Mit dieser Anzeige im „Wiener Diarium“ am 9. Dezember 1775 beginnt die wechselreiche und spannende Geschichte des ältesten Verlagshauses Österreichs. Die ersten Werke waren der „Hof- und Staatsschematismus“ und das „Kommerzialschema der k.k. Residenzstadt Wien“ 1780. Joseph Gerold erwarb auch eine Buchhandlung um, wie er in einem Ansuchen an Kaiserin Maria Theresia formulierte, „manche neuangehende Schriftsteller durch seine Unterstützung aufzumuntern, vielen Leuten Nahrung zu verschaffen und mithin sein eigenes sowohl als das Beste des Staates zu befördern imstande seyn“. Am 9. Mai 1781 wurde die Buchhandlung am Wiener Kohlmarkt eröffnet, „dem verehrungswürdigen Publicum, zu seiner größeren Bequemlichkeit, in eine der gangbarsten Gegenden der Stadt.“

Führendes Verlagshaus in der MonarchieGerold-Haus Postgasse

Nachdem sich der Verlag zu einem ansehnlichen Unternehmen entwickelt hat, starb Joseph Gerold 1800 im Alter von 51 Jahren. Seine Frau Magdalena führte den Verlag weiter mit ihrem Sohn Johann, bis auch er 1806 sehr jung starb. Sein Bruder Carl, eigentlich gelernter Kaufmann, übernahm das Familiengeschäft. Ab 1813 wurde die Firma in Carl Gerold Verlag umbenannt. Unter Carl Gerold entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden Verlage in der Monarchie. 1852 übersiedelte der Betrieb in einen fünfstöckigen Neubau in der Postgasse 6, der von den Architekten der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, erbaut wurde.

Friedrich Schiller: Österreichische Erstausgabe

Zu dieser Zeit war die Nachfrage nach deutschen Werken sehr groß, die von österreichischen Verlagen, unter Duldung der Regierung, mit nicht autorisierten Nachdrucken und meistens von sehr schlechter Qualität gestillt wurde. Carl Gerold setzte sich entschieden gegen diese Praxis ein und unterstützte eine entsprechende Petition deutscher Verleger, die dem Wiener Kongress 1815 vorgelegt wurde. Kurz danach erschien im Gerold Verlag die offizielle österreichische Erstausgabe der gesammelten Werke von Friedrich Schiller in 18 Bänden.